18 | 07 | 16

Täubchen

Film von Philine Lommel und Tatjana Schmid aus dem Kurs „Unerwartet“ (2. Semester) im Sommersemester 2016.

Für unseren Semesterfilm haben wir uns die Frage gestellt, wie man das menschliche Verlangen wahrheitsgemäß darstellen kann. Wir überlegten welches Verlangen tief im Inneren eines Menschen schlummern kann. Welche Handlungsweisen würden die Darstellung unwirklich wirken lassen? Welche Arten von Verlangen gibt es? Wie kann man beides in Verbindung setzen? Mit welcher Farbgebung kann man die beste Stimmung erzeugen? Welches Gefühl wollen wir in dem Betrachter auslösen?
All diese Fragen haben wir uns vor und bei der Entwicklung gestellt. Haben uns Storyboards gezeichnet sowie einige Skizzen für besondere Einstellungen. Beim Schnitt war es uns wichtig, durch bestimmte Sequenzlängen das Gefühl im Betrachter zu verstärken. Ebenso spielte der Ton eine wichtige Rolle. Nach unseren Überlegungen entschieden wir uns für Weingläser, da der Klang gut für die Erzeugung unterschiedlicher Tonhöhen geeignet war sowie für eine musikalische Steigerung im Film selbst. Bei den Locations entschieden wir uns für eine Wohnung mit Balkon, einen Keller, eine Straßenbahnhaltestelle, die Straßenbahn, sowie einen Tierpark um verschiedene Stimmungen und Gefühle auszulösen. Durch die Auswahl von Räumlichkeiten, die eine Fluchtmöglichkeit und keine Fluchtmöglichkeit bieten, lässt sich eine Spannung aufbauen. Die Wohnung haben wir schlicht gestaltet um nicht von den wichtigen Merkmalen für sein Ritual, wie zum Beispiel der Stuhl und den Balkon, abzulenken. Der Keller steht für sein eigenes Reich, welcher durch Dunkelheit und ruhige Atmosphäre Sicherheit ausstrahlt. Durch die Begebenheit, dass der Keller unter dem Haus liegt konnotiert er etwas Verborgenes. Die Haltestelle verbindet beide Eigenschaften, da sie teilweise räumlich begrenzt ist und andererseits die Möglichkeit zur Flucht offen lässt. Die Straßenbahn ist zwar ein öffentlicher Raum, jedoch werden die Personen durch die räumliche Begrenzung in ihrer Bewegungsfreiheit und Fluchtmöglichkeit eingeschränkt. Der Tierpark spielt zuerst keine große Rolle für den Betrachter – erst nach Ende des Filmes wird dem Betrachter die Wichtigkeit des Parks bewusst. Ebenso ist er der Ort für die Schlüsselszene.

Unser Film Täubchen handelt von einem einsamen Mann namens Thorsten, der jeden Tag seinem morgendlichen Ritual nachgeht. Nachdem er seinen Kaffee getrunken hat, setzt er sich mit seinem Fernglas auf seinen bereitstehenden Sessel.
An diesem Morgen macht er eine besondere Entdeckung und ist so begeistert, dass er nur Zufriedenheit erlangt, wenn er seinem Verlangen nachgeht. Das Verlangen wird zum Mittelpunkt seines Alltags und er richtet alle Handlungen nach diesem aus. Er folgt ihr in die Straßenbahn und in den Tierpark. Er lässt sie nicht aus den Augen. Auch unterwegs ist das Fernglas sein treuer Begleiter. Zunächst wahrt er noch Distanz, jedoch siegt das Verlangen über die Vernunft und bricht die Distanz.
Unser Film lebt hauptsächlich von der Mimik und Ausstrahlung des Schauspielers, weshalb es uns wichtig war jemanden auszuwählen der Erfahrung hatte und sich in die Rolle hineinversetzen konnte. Für die weibliche Rolle war es uns wichtig, ein Mädchen zu gewinnen, dass eine brave und unschuldige Ausstrahlung mitbringt.

Schauspieler: Johannes Mützel und Jessika Singh
Locations: Wohnhaus, Straßenbahnhaltestelle, Straßenbahn innen, Tierpark Sommerhausen
Kamera/Ton/Postproduktion: Philine Lommel, Tatjana Schmid