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Fünf Minuten

Ein Werbespot für die Deutsche Bahn AG.

Semesterarbeit aus dem Kurs „Spots“ (4. und 6. Semester) von Tilman Bechthold, Alexandra Benkenstein, Valentina Groha, Lukas Hertlein, Katrin Kaemper, Konstantin Krischke, Luisa Krutyholowa, Kilian Lieb und Benjamin Schmitt.

Das traditionelle Eisenbahunternehmen „Deutsche Bahn AG“, kurz DB, ist das größte Bahnverkehrs- und Infrastrukturunternehmen in Mitteleuropa und bereits seit mehreren Jahren international tätig. Täglich finden etwa 37.000 Zugfahrten in Deutschland statt, von denen laut einer Statistik von Stiftung Warentest rund 36 % eine Verspätung von mindestens vier Minuten aufweisen. Somit ist das schwerwiegenste Imageproblem der Deutschen Bahn die Unpünktlichkeit.

Als Werbeagentur „Quastenflosser“ stellten wir uns die Frage:

Wie können wir mit einer Bewegtbidkampagne die Marke „Deutsche Bahn“ wieder stärker im Bewusstsein der Individalgesellschaft verankern?

Unsere Zielgruppe besteht vor allem aus Businessmenschen, Pendlern, Umweltbewussten und Vielreisenden. Ihnen soll ein Bahngefühl vermittelt werden, dass sich bewusst vom spießig, cleanen Corporate Image distanziert und ein neues, ehrlicheres und humaneres Bild schafft. Dies wird durch einen selbstironischen Blick auf die eigene Unpünktlichkeit geschaffen.

Der Betrachter wird in fünf Situationen abseits des Bahnhofs geführt, in denen das Zuspätkommen eine positive Auswirkung auf  die Beteiligten hat.

Tagesanbruch. Als Berufstätige ist ihr Alltag streng durchgeplant und bietet ihr wenig Zeit für Pausen. So sind fünf Minuten bevor der Wecker klingelt, die einzige Zeit in der sie nochmal zur Ruhe kommen kann.

In der zweiten Szene beobachten wir einen Grundschüler der die Verspätung seines Lehrers nutzt, um seine versäumten Hausaufgaben nachzuholen. Als Nächstes verpasst ein Mädchen ihren Bus, doch begenet daraufhin einem gutaussehnden jungen Mann. Dann ist es Nacht. Vier Studenten genießen ein Freiheitsgefühl beim gemeinsamen feiern, losgelöst von fünf Miuten mehr oder wenige.

Mit diesem Gefühl der Losgelöstheit findet sich der Betrachter, durch kurze Schnittszenen, am Bahnhof wieder und entdeckt hinter einem Wartenden, so wie der Betrachter auch selbst in diesem Moment wartet , der einfahrende ICE am Bahnhof. So trifft dieser, trotz Verspätung,  zum richtige Zeitpunkt ein.

Erst mit der fünften Situation begreift der Betrachter, welches Unternehmen hinter diesem Werbespot steckt.

Die auditive Ebene besteht aus einem abstrakten Gedicht, das abwechselnd von verschiedenen Sprechern erzählt wird. Unterlegt mit einem eher klassischen, dramatischen Stück begibt der Hörer sich in eine Klangwelt, die ihn zur Ruhe kommen lässt. Durch die emotionsgeladene Stimmung im Verlauf des Werbespot, ist somit die Schlusspointe „wäre doch schade wenn immer alles pünktlich wäre“ um so stärker.

Der Werbespot für die deutsche Bahn setzt an einer der größten Schwachstellen des Unternehmens an. Die ständige Unpünktlichkeit und die daraus resultierenden Wartezeite werden im Spot als „geschenkte Zeit“ neu betrachtet. Aus dieser Perspektive werden Verspätungen zu Momenten der Entschleunigung – Zeit, die nicht planbar ist und deshalb zu Momenten des Enddeckens, der unerwarteten Begegnungen und Gelegenheiten werden. Dem Zuschauer wird gezeigt, dass die durch Unpünktlichkeit entstandene wertvolle „Extrazeit“ auch am Bahnsteig schön sein kann.