19 | 07 | 16

Crux

Semesterprojekt von Victoria König und Sascha-André Knudsen aus dem Kurs „Unartig“ (4. und 6. Semester) im Sommersemester 2016.

„Die Taten der Nächsten geraten in Verruf. Der Sünder spricht die Sünden frei, setzt das Ungericht dem Frevel gleich und es stellt sich die Frage, wem das Recht zu richten in die Hände gelegt ist.“

In den vergangenen Jahren gerieten vermehrt Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche an die Öffentlichkeit. Die Abwesenheit von Interesse seitens der Kirche, das fehlende Reuegefühl und die Leichtigkeit mit der jene Schandtaten von den Geistlichen abgetan werden, weckten unser Interesse an dem Thema Religion und Sünde.

Mit veralteten kirchlich genormten Ansichten, stößt man in unserer heutigen, vom wissenschaftlichen Fortschritt geprägten Gesellschaft immer öfter auf Geschehnisse welche innerhalb dieses vorgegebenen Rahmens nicht wahrgenommen werden. Stillstand und Biederkeit in einer wandelnden, beschleunigten Welt.

Der Begriff crux (lat. Kreuz) beschreibt den Konflikt, ein seelisches Leiden.

Im Fokus steht eine junge, gläubige Prostituierte, welche Zuflucht in der Kirche sucht, um sich von ihren Sünden zu befreien, ihr Leben den Normen unterzuordnen. Dabei wird sie unwissend von einem Unbekannten beobachtet. Im Hotel, ihrem Arbeitsplatz angekommen, macht sie sich bereit für ihren nächsten Kunden. Vom braven Kirchenmädchen in die Rolle einer verruchten Prostituierten, trifft sie auf jenen Mann, der sie von ihren Freveltaten befreien will, ebenfalls im Namen der Normen. Gedanken und Erlebnisse werden verdrängt. Doch was im Blutfluss vergraben wird schlägt Wurzeln.

Eine Hure in weißer Bluse und ein Mann ohne Gesicht im Anzug.

Im Film treffen zwei Menschen aufeinander, die ein Verhalten aufweisen, welches nicht der Norm entspricht. Das konservative Auftreten des Gesichtslosen ist ein konstantes. Im Gegensatz zur Hure, die sich im Laufe des Films von einer biederen Christin zu einer Frau verwandelt, welche ihren Körper verkauft, vollzieht er keine sichtbare Wandlung.

Schubladendenken dient dazu, mannigfaltige Themen, einfacher, schneller zu verarbeiten und kontrollierbar zu machen. Die menschliche Psyche ist eines dieser Bereiche. Ziel unseres Filmes ist es den Betrachter in eine Situation zu zwängen, welche es abverlangt sich mit den Motiven der Darsteller auseinanderzusetzen und eigene Schlüsse zu ziehen.

Durch eine geringe Farbigkeit, zeigen wir einen verstaubten Blickwinkel auf, limitieren den Betrachter. Zwangsläufig gewinnt der Film die Ästhetik eines alten Farbfilmes, ein nostalgisches Atribut, das bis zu einem gewissen Grad eine themenbezogene Sicherheit garantiert. Die Präsentation auf einem alten Röhrenfernseher steht im Kontrast zu dem derzeit aktuellen Thema.

Zunehmen gewinnt das Bild an Helligkeit, bis das Weiß im Ende dominiert. Es ist an dem Zuschauer zu bestimmen, welche Darstellung der Unschuld eine ehrliche ist.

CREDITS

Ton: Anton Webern – Variationen Op. 27, Richard Wagner – Das Rheingold: Prelude

Schauspieler: Niklas Gal, Mirja Kuberka, Christian Hofmann